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Barrierefreies Internet – Das Ende von Darstellungsproblemen

Wenn man im Internet von Barrierefreiheit (Accessibility) spricht, dann ist damit gemeint, dass auf den Inhalt einer Website, egal in welcher Form dieser angeboten wird, ohne Einschränkungen und Darstellungsprobleme zugegriffen werden kann. Aus dem täglichen Leben kennen wir das Wort Barrierefreiheit, was eigentlich nur besagt, dass man Behinderten die gleichen Dinge ermöglichen möchte. Doch Barrierefreiheit bedeutet eigentlich viel mehr. Während in unserer Gesellschaft nur Behinderte davon betroffen sind, umfasst das Barrierefreiheit im Internet uns alle, denn wir wollen ohne irgendwelche Hindernisse alles nutzen können.

Da eine Definition der Barrierefreiheit jedoch nicht so einfach ist wurde vom W3C die WAI (Web Accessibility Initiative) gegründet, die Standards finden und festlegen sollte. Schnell stellte sich heraus, dass sehr viele Faktoren zur echten Barrierefreiheit beitragen wie etwas das Layout, die Architektur des angebotenen Contents, die Programmierung selbst und vieles mehr.

Heute greifen die Standards für Barrierefreiheit in viele andere Bereiche über und definieren so auch andere Standards maßgeblich mit.

Optische Barrieren und wie man sie umgehen kann

Zum einen musste man erkennen, dass es für viele Nutzer optische Barrieren gibt. Nehmen wir nur einmal die Farbenblindheit, so können sich aus diesem visuellen Problem schnell inhaltliche Probleme ergeben. Diese sogenannte Rot-Grün-Schwäche ist nur eine von vielen optischen Verletzungen und Beeinträchtigungen, die bei der Festlegung von Standards für Barrierefreiheit eine wichtige Rolle spielen.

Einige Barrieren konnte man schon allein damit umgehen, dass man sich auf bestimmten Schriftgrößen und Kontrastwerte einigte, damit Schriften sehr gut zu lesen sind.

Doch besteht ja auch die Frage, wie man grafische Probleme lösen kann?

Viele Grafiken bieten einen hohen Informationsgehalt, den aber Blinde oder Menschen mit anderen Sehfehlern nicht aufnehmen können. Es mussten also Alternativen zur Grafik gefunden werden und hier bietet sich Text an. Es wurde die Möglichkeit der Grafik-Alternative eingeräumt und so entstanden die Standards für die Textdarstellung von Grafiken, die wir heute als „ALT-Texte“ aus der HTML-Programmierung kennen. Damit können Grafiken mit einem beschreibenden Text versehen werden, der nun auch von Blinden und Menschen mit Sehbehinderung zu lesen ist.

Blinde Menschen spielten generell eine wichtige Rolle bei der Festlegung der Standards für Barrierefreiheit. Blinde sehen sich Websites mit einem speziellen Gerät, dem Screen Reader an. Dieser stellt alle Textinhalte zur Verfügung und der Blinde kann dank des Gerätes Links verfolgen, Inhalte aufnehmen und sich ein Bild von der Struktur der Seite machen.

Diese Funktionalität muss jedoch auch in das Layout einer Website einfließen. Früher wurde das Layout von Websites in Tabellen gepresst. Dies ergab aber Schwierigkeiten für die Übersetzung durch den Screen Reader, denn dieser kann immer nur eine Zelle erfassen kann. Kommen nun komplizierte Tabellen Konstrukte beim Layout zum Einsatz, wird die Seite sehr schnell unleserlich für die Nutzer des Screen Readers.

Weitere Barrieren waren schnell gefunden. Nicht nur Tabellen verursachten, dass eine Website durch den Screen Reader kaum noch darstellbar war, sondern auch der Einsatz von Frames erschwerte die Lesbarkeit.

Motorische Barrieren überwinden

Bisher haben wir nur visuelle Barrieren angesprochen, doch es gibt auch motorische Barrieren. Wenn der Bewegungsapparat durch eine Krankheit oder Verletzung in seiner Funktionalität eingeschränkt ist, so hat dies auch Auswirkungen auf das Arbeiten mit Inhalten im Internet. Allein das Klicken mit der Maus auf bestimmte Bereiche, zumal wenn diese sehr klein sind, bringt große Schwierigkeiten mit sich. Es müssen also auch Standards gefunden werden, die diese Probleme aus der Welt schaffen.

Bei den motorischen Problemen haben wir bereits die Größe von Schaltflächen angesprochen. Doch viele Menschen können die Maus als Instrument der Steuerung von Websites überhaupt nicht nutzen. Hier kommt die Tastatur ins Spiel. Diese muss nun die Funktionen der Maus ebenfalls ausführen können. Die Programmierer mussten umdenken und neue Technologien entwickeln. So ist es erst seit kurzem bei Java und Active-X X möglich, die Tastatur als Mausersatz zu nutzen.

Formulare schließlich überfordern viele Menschen mit motorischen Problemen völlig. Mehrfachauswahlen, Dropdownmenüs und andere Elemente lassen diesen Personenkreis verzweifeln. Doch auch hier wurden Standards gefunden, die das Arbeiten mit diesen Elementen vereinfacht haben. So wurde eingeführt, dass bestimme Voreinstellungen bereits ausgewählt sind. Nun kann der Nutzer diese zwar noch immer ändern, er muss diese jedoch nicht extra kompliziert aktivieren.

Das WAI definierte Standards für kognitive, sprachliche und auditive Barrieren

Da das Internet mehr und mehr zur Kommunikationszentrale wird, stellen kognitive, sprachliche und auditive Barrieren ebenfalls ein großes Hindernis dar. Hier ist man gerade dabei, die Barrieren zu erfassen und Standards zu finden, die diese aus dem Weg räumen sollen.

Immer mehr Inhalte werden in Form von Sprache dargeboten. Egal ob ein Interview oder eine Anleitung, man sollte Hörbehinderten immer eine Text-basierte Alternative anbieten, damit sich ihnen ebenfalls der Inhalt erschließen kann.

Selbst die interaktive Steuerung und Kommunikation zwischen Mensch und Maschinen wird irgendwann in naher Zukunft wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation sein. Auch hier müssen Standards gefunden werden, die Barrieren abbauen.

Geht man noch einen Schritt weiter, dann gelangt man zu Barrieren, die heute kaum angegangen werden können. Die geistigen Fähigkeiten der Menschen könnten unterschiedlicher kaum sein. Die dargebotenen Inhalte aber für alle so aufzubereiten, dass sie verstanden werden können, stellt eine große Herausforderung dar.

Technische Barrieren

Bisher haben wir immer von Barrieren gesprochen, die durch unsere Einschränkungen geprägt werden. Doch selbst wir Menschen schaffen uns weitere Barrieren, weil wir Techniken einsetzen, die eine Barrierefreiheit behindern oder komplett verhindern. Allein schon die Kompatibilität der Browser zeigt uns hier schnell Grenzen auf. Wenn wir Websites erstellen, die speziell für bestimmte Browser entworfen wurden, bauen wir automatisch Barrieren für die Nutzer aller anderen Browser auf.

Daniel Wanner

New Business und Kundenberater

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